Langzeitbelichtungen mit ND-Filtern leicht gemacht

ND-Filter, Neutral Density Filter, Langzeitbelichtung, Long Exposure Shot, Hinterriss Bavaria Germany, Dr. Ralph Oehlmann, Oehlmann-Photography

Vielleicht kenne Sie das Problem...

 

Sie haben an einem Flusslauf oder Wasserfall Ihre Kamera auf das Stativ montiert und wollen nun mit einem Graufilter (ND-Filter oder neutral density filter) eine Langzeitaufnahme machen.

 

Sie bestimmen nun mit der Kamera ohne Graufilter die korrekte Belichtung. Ermitteln dann zu Fuß oder über einen ND-Rechner (z.B. iOS App Rolleimoments) die neue Belichtungszeit.

HAIDA Slim Neutral Graufilter Set 77mm bestehend aus ND8, ND64, ND1000 Filtern, Amazon Preis:  ca. 95€
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Sie stellen die neuen Belichtungswerte ein, fokussieren und stellen dann den Autofokus ab, damit die Kamera bei der Auslösung nicht versucht, nochmals zu fokussieren (was mit aufgesetztem ND-Filter eh problematisch bis unmöglich ist).

 

Im nächsten Schritt schrauben Sie nun Ihren ND-Filter auf und beten, dass sich bitte beim Aufschrauben nicht der Fokus ändern möge. Denn wenn der ND-Filter erst einmal sitzt, dann können Sie den Fokus nicht mehr überprüfen.

 

Also machen Sie im "Blindflug" eine Aufnahme und sehen sich anschließend an, ob der Fokus gepasst hat.

 

Falls nicht, starten Sie die Prozedur von vorn und hoffen beim nächsten Mal auf mehr Glück beim Aufschrauben des ND-Filters. Aber auch dann, wenn Sie nur den Ausschnitt ändern wollen, starten Sie wieder von vorn.

 

Für das hierbei aufkommende Gefühl der Frustration habe ich nach einer Lösung gesucht - und gefunden...

Hoya Variable Density Filter (77mm), Amazon Preis: ca. 105€
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Zunächst dachte ich, vielleicht ist ein Variable Density Filter (VD-Filter) die Lösung. Bei diesen Filtern werden zwei kombinierte POL-Filter gegeneinander verdreht und so die einfallende Lichtmenge um bis zu 5 Blendenstufen reduziert. 

 

Der Vorteil - nachdem der Filter einmal aufgeschraubt ist, kann man durch sanftes Drehen den gewünschten Grad der Auslöschung wählen. Das Drehen ist dabei so zärtlich möglich, dass der Fokus nicht verändert wird. Außerdem kann man den VD-Filter mit einem Dreh auf volle Durchlässigkeit schalten, einen neuen Ausschnitt wählen, fokussieren und dann vor der Aufnahme wieder abdunkeln.

 

Der Nachteil - die VD-Filter sind nicht mit einer Skala versehen, bei der man den Verlängerungsfaktor ablesen könnte. Außerdem nimmt der Grad der Auslöschung nicht linear mit der Drehung zu. Es ist also recht schwierig, Aufnahmen unter identischen Bedingungen zu machen.

 

Man kann damit arbeiten, es ist aber noch immer nicht die ideale Lösung.

Links:  Manfrotto "XUME" Objektivadapter, Amazon Preis:  ca. 26€; Rechts:  Manfrotto "XUME" Filterhalter, Amazon Preis:  ca. 10€
Links: Manfrotto "XUME" Objektivadapter, Amazon Preis: ca. 26€; Rechts: Manfrotto "XUME" Filterhalter, Amazon Preis: ca. 10€

Man müsste also eine Möglichkeit finden, die ND-Filter mit definiertem Verlängerungsfaktor zu verwenden, jedoch ohne den Filter aufschrauben zu müssen.

 

Eine magnetische Halterung wäre gut. Aber davon hatte ich doch schon einmal gehört...

 

Eine Suche auf Amazon ergab, dass Manfrotto ein magnetisches Filter-Halte-System anbot:  XUME.

 

Dieses clevere System besteht aus zwei magnetischen Ringen, einem Objektiv-seitigen "Lens Adapter" und einem Filter-seitigen "Filter Holder". Werden beide Ringe jeweils in das Objektiv bzw. in den Filter geschraubt, dann kann der Filter ohne Drehen auf das Objektiv aufgesetzt und wieder abgenommen werden.

 

Das ist für mich die perfekte Lösung!

Step-Up Filter Set, Dr. Ralph Oehlmann, Oehlmann-Photography

Damit man sich nicht für jedes Objektiv ein extra Set kaufen muss, kann man über ein preisgünstiges Step-Up Ring-System ein großes ND-Filter-Set an Objektive mit einem kleineren Filterdurchmesser anpassen.

 

Step-Up Ring von 52mm auf 67mm Filterdurchmesser, Dr. Ralph Oehlmann, Oehlmann-Photography

 

Falls es im Weitwinkelbereich zu Vignettierungen kommen sollte, sind auch Step-Up Ringe mit einem größeren Sprung (z.B. von 52mm auf 67mm Filtergewinde) sehr günstig verfügbar. Diese zeichnen sich durch eine sehr geringe Bauhöhe aus.

Screenshot:  Aufnahmen ohne ND-Filter (Links), mit Gobe ND1000-Filter (Mitte) und mit Haida ND1000-Filter (Rechts), Dr. Ralph Oehlmann, Oehlmann-Photography
click-2-zoom

Farbtreue von ND-Filtern

 

Links sehen Sie einen Vergleich von Aufnahmen ohne ND-Filter (L), mit Gobe ND1000-Filter (M) und Haida ND1000-Filter (R). (ND1000 = ND 3,0 oder 10 Stops)

Die dargestellten Bilder sind "out of camera" ohne jegliche Bildbearbeitung.

Die Aufnahme mit dem ND1000 Filter von Gobe (M) liefert ein deutlich "wärmeres" Ergebnis.

Man muss wohl davon ausgehen, dass alle ND-Filter zu mehr oder weniger starken Farbabweichungen führen werden.

 

Aus diesem Grund ist es sicherlich eine gute Idee, eine spezielle Graukarte für den nachträglichen Weißabgleich mit zu fotografieren. Im Bild ist der X-Rite ColorChecker Passport Photo 2 zu sehen, mit dem man auch richtige Farbkorrektur-Profile für Lightroom und Photoshop erzeugen kann.

Und hier noch ein Tipp was Sie tun können, falls Sie einmal Ihren ND-Filter nicht dabei haben sollten...

ND-Filter Effekt mit Software erzielen

 

Tony Northrup beschreibt in seinem englischen Video (https://youtu.be/YcZkCnPs45s?t=152) eine einfache Methode, wie Sie eine Serie von Aufnahmen in Photoshop erst ausrichten und anschließend den Median berechnen können.

Das Ergebnis entspricht dann weitestgehend einer Langzeitbelichtung mit ND-Filter.

 

 

Interessant:

  • Die Bilder können mit dem Stativ (besser) oder aus der Hand aufgenommen werden.
  • Auf seiner Website bietet er zudem eine Photoshop Action zum kostenlosen Download an (http://sdp.io/actions)

Sie sehen also, Langzeitbelichtungen sind ein Klacks, wenn man mit den richtigen Utensilien arbeitet.

 

Man muss lediglich darauf achten, dass man nicht vor lauter lauter selbst ins Wasser  fällt...  ;-)

 

In diesem Sinne,

 

Ihr Ralph Oehlmann

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